
| Annotate aus der Schreibstube Dei cannoli. Del Tschenett |
»Annotate
dient
der komfortablen und effizienten, semi-automatischen Annotation von
Korpusdaten. Es unterstützt die Erstellung kontextfreier Strukturen und erlaubt dabei zusätzlich kreuzende Kanten. Die terminalen Knoten, nichtterminalen Knoten und die Kanten werden etikettiert. Die Anzahl und Art der Kategorien ist frei definierbar. Annotierte Korpora werden in einer relationalen Datenbank abgelegt. Annotate ist mit einem Interface zur Interaktion mit externen Parsern ausgestattet.« |
| Was hiervon einmal Buch werden sollte, verschwände. Dorthin. |
»Ich glaub' es nicht«, sagte er. »... der Tschenett. Ist nicht wahr. Wo kommt der denn her?« »Nun«, sagte Tschenett, »wenn wir von unmittelbar reden: aus Österreich. Ist aber nicht ernst zu nehmen, war nichts als ein kleiner, berufsbedingter Ausflug im Umweg, quasi. Eskorte für einen Transport, Messina – Triestiner Hinterland. Was unsereins halt so noch abbekommt, in Zeiten wie diesen. Und selber?« Totò rührte in seinem Espresso, der dermaßen ristretto war, daß der Löffel kaum naß wurde, und sah dabei durch die Glasfront auf das Treiben vor dem Grenzcafè. »Aus Österreich also«, sagte Totò dann. »Ja.« »Und: Wie ist das Wetter da?« Schau über den Grenzstrich, dachte Tschenett, wer schiebt denn hier Dienst seit zwanzig Jahren? Und antwortete. »Zehn Grad. Fieser Nieselregen. Scheußlich, insgesamt. Also allemal besser als die generelle Stimmung.« »Was habens denn jetzt wieder, die Österreicher?« »Verloren. Gegen Serbien.« »Das ist doch schon länger her, oder?« »Fußball.« »Aah.« »... und gegen die Faröer nicht so richtig gewonnen. » »Erster oder zweiter Weltkrieg oder beide?« »Schon gut. Dimmi: Che bevi, was trinkst?« »Das da«, sagte Totò und wandte sich seinem Espresso und dem darin kreisenden Löffel zu. »Und deswegen warst du in Österreich, Tschenett? Verlierern zuschaun? Da hättest gleich auf Sizilien bleiben können.« »Oder hier am Brenner.« »Che vuoi,«, sagte Totò, »was willst du, seit Schengen zweidreivierfünf kann ich meine Arbeit als Grenzpolizist von der Bar aus machen; Ich wart, bis einer kommt, und nervös zweimal aufs Klo geht, vorm Kaffee und nachm Kaffee. Der ist dann drann, da schlag ich zu.« »Und?«, sagte Tschenett, »'n paar LehmannBrothers erwischt?« »Sogar das Schwarzgeld wird weniger, in diesen Tagen«, sagte Totò. »'Ffanculo, was solls.« Dann überlegte er es sich doch noch. Legte den Löffel ab. Und trank den Espresso in einem Zug aus. Stellte die Tasse zurück und besah sich den Satz. “Sag mal, Tschenett”, sagte Totò, “Triestiner Hinterland, hast du gesagt, oder? Frage: Wie landet man da denn in Österreich?” Tschenett sah um sich. “Ich sag nur: Kärnten. Nachts, und unversehens. Was glaubst du, wie blöd ich dreingeschaut habe, als ich aufwachte: Da wollt ich nun wirklich nicht hin. Aber was hat man als verschlafner Beifahrer schon zu sagen.” “Und dann?” “... : Jetzt ist aber gut...” “Kommse, junger Mann, wir können hier bei Bedarf auch ganz andre Seiten aufziehn.” “Ich weiß, Herr Wachtmeister della Polizia di Stato dei miei stivali malandati”, sagte Tschenett, “Genoveser Ringelreihn mit Anfassen und so. N paar Tausend Soldaten in die Städte, ab ins Lager. Mann, könnt ich kotzen, ... wenns mich auch nur eine einzige Sekunde lang überrascht hätte. Das schwarzhemdige Arschloch, das geliftete. Und sein kurzärmliges, ungelüftetes Volk. Also wir.” Totò winkte dem Barista. “Alt und pathetisch”, sagte er dann. “Wenn wir damals auch nur geahnt hätten, wie wir werden: Wir wären auf und davon.” “Und wohin?” “Sag du mirs ...” Sie standen schweigend. Der Barista stellte zwei Gläßer Weißwein hin und verschwand (dann) wieder hinter der Kaffeemaschine. Tschenett sah zweifelnd auf das Glas vor sich. “Wás jetzt?”, sagte Totò. “Nichts”, sagte Tschenett. Aber ich bin eigentlich noch im Dienst. Sozusagen.” “Ja. Wieder schlafend am Beifahrersitz, wieder ohne Ahnung, wo's diesmal wirklich hingehen soll... Tss.” “Lach du nur. Wenn du wüßtest, wie nah dran du bist damit.” “Und also?”, sagte Totò. Tschenett griff nach dem Glas. Draußen ging die Sonne unter. Mit Trara. Sowie Widerhall vom Gegenhang: vierunddreißig durchfahrende Güterwagons, unter grünen Haarnetzen neapolitanischer Müll für leipziger Verbrennungskathedralen. “Auf und davon”, sagte Totò schließlich, als er das leere Glas wieder abstellte. (wien, im oktober 08) (Annotate. Dei cannoli. Del Tschenett. 23/10/08) |
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Vorläufige Verkostungsnotizen. Zu einer Biografie des Tschonnie Tschenett. Er ist sicher ein ungewöhnlicher Weintrinker. (Was täten wir, wenn wir sie nicht hätten, die ungewöhnlichen Weintrinker: hölzern wär unser Leben. Ein einziges Barrique.) Er ist einer, den die Werbestrategen nicht in ihr Kalkül ziehen, einer, der nicht auf der Abonnentenliste der Hochglanzmagazine steht, er verfügt über keinen vollklimatisierten, prozessorgesteuerten Weinkeller: dieser Herr namens Tschonnie Tschenétt. Und trotzdem ist er kein Held. (Man kanns auch deutlicher sagen: eine ziemlich gescheiterte Figur.) Allein die verquere Orthographie sollte Warnung genug sein. Und die knappen biografischen Angaben. Tsch. Tsch., nach fünf Romanen in zehn Jahren holprig über fünfzig stolpernd, Herumtreiber, gewesener Nordmeerfischer und aushilfsweise LKW-Fahrer auf den großen Routen, letzter bekannter Aufenthaltsort: irgendein Güterhafen im Mittelmeer. Stunden-, wenn nicht tagelanger Blick aufs brakige Wasser. So gesehen eine Nicht-Existenz. Aber auch Nicht-Existenzen kommen auf den Wein. Solch ein Mensch kann zu seinem delikaten Gaumen nur über eine unbändige, unkontrollierte, bisweilen selbstzerstörerische Lebenslust gekommen sein. Also wie die Jungfrau zum Kind. Und schon ruft Tschenett, es ist ihm kein Sprachspiel zu banal, Folge einer ungebremsten Charakterschwäche: „Her mit dem Jungferler!“ (Und meint die Rarität.) Dabei sitzt er gerade an einem Glas Plötzner. Denn es ist Mittag. Und also guttirolerisch Weißburgunder-Zeit. Und die gilt auch in Saloniki. „Verratets mir den Weißburgunder nicht“, sagt Tschenett. „Posaunts ihn mir nicht über die Maßen in die Welt hinaus, trara. Den lauten laßts den Chardonnay.“ Von Geburt und Namen her ist Tschenett weinfern aufgewachsen. Beginnen wir beim Namen, Tschenett. (Das Tschonnie ist nichts als eine alpinklangliche Sonderform, entstanden im Zuge der Roaring Sixtees, zurückzuführen auf geomorphologisch bedingte Kehlkopfverkrümmung mit nachfolgender Lautverstümmelung.) Tschenett also. Das steil am kargen Hang gelegene Obervinschger Kleindorf Stilfs ist die Mutter aller Schlachten, die um den Namen Tschenett geschlagen werden. Die Hälfte der Bevölkerung heißt dort so. Zu früheren Zeiten annähernd die Gesamtpopulation. Das Wort als solches wurde von der Wissenschaft auf rätische Sprachwurzeln zurückgeführt. Neueren, noch unbestätigten Forschungsergebnissen zufolge, ist der Name allerdings auf das arabische Ndschennét zurückzuführen (die Paradiese; im Singular auch beliebter Mädchenname). Die Kausalitätslinie verweist auf maurisch-arabische Geologen, die als Fachleute dem Tiroler Bergbau zugezogen wurden und sich am heimisch-weiblichen Geschlecht seßhaft machten. „Soll mir recht sein“, sagt Tschenett. Der, sein Vater ein Carabiniere, der bald an seinen ordnungshüterischen wie pädagogischen Fähigkeiten zu zweifeln begann, recht bald in die Nähe einer Kellerei geriet. Man war im Keller gewesen und in den Leiten, und weil kluge und vorausschauende Verwalter die Grundschule (die hier deswegen zu Recht Scuola elementare heißt) neben die Kellerei gesetzt haben, zwecks früher Anschauung von Agrarökonomie und der Interdependenz von Wein und Wissen, steht und lehnt man vor der Schule, während der Schule und nach der Schule an den Traktorhängern und betreibt vergleichende Traubenverkostung, klebrig längst bis hintern Ellenbogen, jeder seine höchsteigene Cuvée übers Hemd verteilt. Das hat Folgen fürs spätere Leben unseres Helden. Ich schenkte uns noch ein wenig von dem Weißwein nach. Ich brauchte ein bißchen Zeit zum Nachdenken. Die Weinkarte war nicht gerade üppig gewesen. In guten Tagen hatte mein Keller ein paar Flaschen aufzuweisen, gegen die alles, was einem hier geboten wurde, österreichischer Verschnitt war. In guten Tagen. Nur waren die guten Tage allzu selten. Das hatte viele Gründe. Für einen guten Wein braucht man mehr Zeit als für eine vierköpfige Familie. Und bei mir reichte es nicht einmal zu einer zweiköpfigen. Was verständlich ist. Schließlich sollte man so nicht mit Damen sprechen. Egal, welcher Wein gerade am Tisch steht. Paß auf, Kind, sagte ich, entweder du hast mir was zu sagen. Oder, und das wär mir sowieso lieber, wir sitzen hier in aller Herrgottsruhe und trinken den Wein mit der ihm gebührenden Andacht. Punkt. Da hilft es schon, wenn man eine alte, konzessionslose Wirtin zur Gönnerin hat, die einem auch mit Schuhwerk aushelfen kann, falls man illegal über Berg und Grenze will oder muß. (Es war eher müssen.) Hinten, in der Abstell, sagte Berta, hinterm Faß. Da müßten noch Bergschuhe stehen. Von dem italienischen Maurer damals, der nicht zahlen hat können. Wegen sechs, sieben Liter Wein hat der die Schuh dagelassen. Ich hab’s ihm nicht ausreden können. Das bißchen Wein hätt ich ihm auch geschenkt. Nicht alle Gastronomen sind so kulant. (Bei Kunden wie Tschenett eigentlich auch begreiflich. Der aber, wie man sehen wird, auch an Höheres zu glauben im Stande ist.) Und so stritt ich mit mir hin und her. Ließ mir ein zweites Glas Weißwein reichen, womit ich längst schon an die Grenzen meiner Zahlungsfähigkeit gestoßen war, hoffte auf Gott, also auf eines dieser nie stattfindenden Wunder, gedachte der Wunderbaren Weinvermehrung und versuchte, hinter den Trick zu kommen. So sehr ich auch nachdachte, ich kam auf keine Lösung. Schon gar nicht auf etwas, was mir gesagt hätte, wie ich die nächsten Tage überleben würde. Und das Leben ist hart. Aber gerecht. Totò und ich hatten uns die Arbeit geteilt. Er sollte mit ein paar Flaschen von dem vorzüglichen Wein seines Onkels wiederkommen. Und ich sollte Brennesseln sammeln gehen. Junge, frische, unverstaubte, unverdorbene, prickelnde, kurz: jungmädchenhafte Brennesseln. Und daraus Brennesselknödel machen. Überhaupt: Essen. Sinniert sich, bei Glas und Gabel, Tschenett in höhere Sphären. Mystisch beinah, anmaßend sicher. Deswegen nämlich haben wir, lieber Totò, wann immer wir können, die Märtyrer des Gaumens, stachelverletzten Helden unserer Küche, die kühnen Entdecker des carciofo zu ehren, der soviel Sturheit bis heute mit seinen drei Geschmäckern belohnt: der feinen Bitternis des Blätterfleisches, der nussigen Schmelze des Bodens und dem herben Zucker des Stiels. Drei Geschmäcker, eine Distel: was will man mehr? Tschenett wünscht sich als Wein dazu, selbstgesprächig: Es fiele einem aus der näheren Umgebung ein Quarto di Luna ein, und sofort ein Quarto di sole hintendrein, allein schon der Namen wegen, man ist an manchen Tagen, und in manchen Nächten noch mehr, ja sowas von altbacken romantisch und will kaum darauf verzichten, sich mit einem Viertel Mond und einem Viertel Sonne zu vergnügen, und bei, aber nicht hier und heute, Tschenett. Manche Zeitgenossen trinken eben auch Namen. Verbürgt ist ein krakeliges Notat auf einem kleinen Blatt Papier, dessen lilane Flecken auf den Genuß von Lagrein schließen lassen: Nie. sang ich sie bukower elegie werd ich alt bald sing ich bald kalt bluetig wie nie : bukower elegie Kursive Zitate aus: Der Tote im Fels. Roman. Grobes Foul. Roman. Herzsprung. Roman. Azzurro. Roman. Napule. Roman. Weißwein und Aspirin. Maier / Wermann / Lanthaler. Südtiroler Wein Lesen. (Annotate. Dei cannoli. Del Tschenett. 23/10/08) | |
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alalà ... * ... è fatta ![]() * »Quante divise in quel ballo, che luccichio di stivali! Che alamari, che saluti, che maestre eleganti, che ispettori, che ispettrici, che teste arrovesciate, che spie, che menti in aria, che nastrini, che giubbe, che sorrisi, che ordine, che mammelle, che rispetto per i potenti, che giornalisti, che navigatori, che trasmigratori, che volatori, che inni, che alalà!». (Una festa da ballo. V.B.,1944) ... und das hier erinnert dann doch ungemein an Napule (und das ist immerhin 72 monate her): Το φάντασμα του Μπερλουσκόνι αρχίζει να πλανιέται και πάλι πάνω από την Ιταλία. (Ta Nea, 25/01/08) (bild/wortraetsel, das hier. zu den arbeitskreisen: >akutezustaende<, >uebersetzen<, >napule< und >cesarini<. keine deutschsorge, loest sich schon noch auf, irgendwann, poeàpoe und wie von selbst. ecoballe, also. es sind dieser tage sehr suedliche tage, hier.) (Annotat. Akutezustaende.
Uebersetzen. Napule. Cesarini. 25/01/08)
(... moriremo tutti
democristiani. scemi. scemocristiani.)
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Piccolo
menù
del manovale
24/09/07 Bresaola della diga Graukas Malloreddus alla bottarga Rindsgulasch, Fastenknödel Baccalà alla genovese Peperonata, Krautsolet Qui manca il babà perche non ci sta Cannoli La sommossa rossa da sind zum einen die freunde und ihre rueckkunft aus tadschikistan. da ist also auch der goldfish. und da ist das menue des deltas. (ein andermal.) das ist das Δ. da sind die cannoli (dem delta zur seit, via napule): ...
nichts, was mehr Glück ins Haus bringen und Unglück abwehren würde
als cannoli; und weil du ohne deine cannoli-Eisen nicht verreist und
die drei, auf einen Seesack gerechnet, nichts wiegen, hast du dir deine
cannoli-Rollen längst in Öl frittiert und es fehlen nur noch, zum
vollständigen Glück, das dir Glück bringen soll, es fehlen nur noch:
ricotta und kandierte Früchte ...
und da ist die erfindung eines rezeptes aus dem geiste seines namens: la sommossa rossa (rande / olio d'oliva / succo di limone / ginger / himbeer / pfeffer / salz / puderzucker / mascarpone) la sommossa rossa. aus der abteilung: recherche und arbeit zu einem neuen roman. demnaechst mehr. aber schonmal den titel: ochsenschwanz. roman der kuechen. (und da man schon seit jahren dransitzt kann man es auch noch abwarten mit der drucklegung, bis diese kochseuchenpest sich wieder vom monitor gemacht hat) (Annotate.
Dei cannoli. Del Tschenett. Das Δ des Deltas.
25/09/07)
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