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Stand 10.07.2009



Napule

Roman. Haymon Verlag, 2002. Diogenes Taschenbuch, 2005



Napule, das ist unsere Stadt. das andere, dieses andere Napoli, ist eine entschlackte Leichtausgabe für den Reisenden.
Sagt Ciro, 'o prufessore.
Hier hat alles immer mit irgendwas anderem zu tun. Ob man will oder nicht. Es ist, wie durch unterirdische Gänge, jedes mit allem verbunden, hier stößt du an einen losen Pflasterstein und dort stürzt ein Palazzo ein.
Napule eben.



Januar. Es stürmt und schneit am Mittelmeer.
Kaum ist der Exmatrose und Ex-Lkw-Fahrer Tschonnie Tschenett in Neapel an Land gegangen, wird er Opfer einer Razzia und hat es auch weiterhin verschärft mit den Uniformierten zu tun, denn sein alter Freund Totò schleppt ihn mit zum G-8-Gipfel, einer gespenstischen Veranstaltung der europäischen Polizei zur organisierten Kriminalität.
Totò war es auch, der Tschenett nach Jahren der Abgeschiedenheit im Hafen von Saloniki ausgerechnet ins brodelnde Neapel lockte – oder besser gesagt: ins Napule der Einheimischen.
Hier herrscht der Ausnahmezustand: Die Jugend liefert sich Straßenschlachten mit der Polizei, diese verschleppt Zivilisten als Geiseln, und eine Bande von betrügerischen TV-Wahrsagern zockt die gesamtitalienische Bevölkerung ab – Tschenetts einziger Halt in diesem wilden Treiben ist ein kleines Grüppchen von Freunden: Totò, Inspektor Ciro, genannt 'o professore, dessen Frau Angela und deren rebellische Tochter Sera, die auf dem Höhepunkt der Ereignisse spurlos verschwindet.
Napule ist der Roman einer Reise in den Süden und durch die Gegenwart, den Glauben und den Aberglauben Italiens.


Presse:

»In 'Napule' gerät (Tschenett) zwischen alle Fronten. Und in ein seltsam archaisches Napoli, dem ein auswärtiger Krimiautor nie zuvor so viel realitätsnahes Lokalkolorit angedichtet haben dürfte.
Kurt Lanthaler, dessen investigativer Stilmix in diesem jüngsten Fall irgendwo zwischen Leonardo Sciascia, Arno Schmidt, Wolfgang Koeppen und Friedrich Glauser anzusiedeln ist, hat mit Tschenett einen Helden geschaffen, dessen wunderliche Methoden sich wunderbar vom Beamtenermittlertypus abheben. Allein die lakonische Dada-Rhetorik lohnt die Lektüre.
« (Hendrik Werner, welt.de)

»Napule heisst der neue Tschonnie-Tschenett-Roman von Kurt Lanthaler. Sein leichter Erzählton, der auf genial verschrobene Weise Hesiod und Berlusconi zusammenbringt, kann genauso wenig wie das opulente Schwelgen in Kulinaria Lanthalers politische Klarsicht und Angriffslust verdecken.
Wenn diese Art heiter-komplexer Prosa so etwas wie eine neue deutschsprachige Krimi-Kultur entfachen könnte ... ach, das wäre schön.
«
(Thomas Wörtche / Leichenberg)

»Der bislang beste Tschenett. Eintauchen in das Neapel abseits aller Touristenströme: eine Empfehlung mit Nachdruck!« (Horst Steinfelt / Buchkultur, Wien)

»Für den Schriftsteller Kurt Lanthaler ist in keiner Schublade Platz, schon gar in keiner nationalen. (...)

Unterwegs ist Tschenett diesmal nicht, und Neapel kommt einem daher unverdünnt und mit einer Wucht entgegen, die den stärksten Leser umhauen kann. Das Buch riecht nach Neapel, es verführt einen zur Haßliebe zu dieser Stadt, die seine Helden gemeinsam haben, es errichtet einem ein Neapel vor Augen und Ohren und Nase, das die gleiche Überzeugungskraft hat wie Izzos Marseille – und das heißt nicht wenig. Ob es dieses Neapel wirklich gibt: keine Ahnung, ich war nie da, aber wenn nicht, hat Lanthaler es aufs Sinnbetörendste erfunden.
Nicht zu fassen, andererseits, dass dieser Roman, in Teilen jedenfalls, auf Schloss Wiepersdorf entstanden ist, dem zum Künstlerdorf umgewidmeten einstigen brandenburgischen Landsitz von Achim und Bettina von Arnim: für Tschonnie Tschenett wären das die Antipoden seiner europäischen Lebenswelten, kein Kafenion, kein Verbrechen, keine Reibungsflächen. Ein Ort für Spracharbeiter wie Lanthaler einer ist, Tschenett käme um vor Langeweile. (...)
Das Glossar, das schon bisherigen Tschenett-Büchern anhing, ist diesmal beinahe inkorporiert ins Erzählen, indem nämlich, in der Schein-Gestalt der Begriffserklärung, Tschenett oder ein anderer Erzähler, einfach weiterredet, mal erläuternd, mal abschweifend, oft und oft eine Suada gegen die verrotteten Zustände schleudernd.
Was im Haupttext von anderen Geräuschen fast verschlucktes Grollen ist, präzisiert sich hier, im Anhang, der fast keiner ist, zu Anklagen, genauer ausgeleuchteten Hintergründen und Analysen, die über das Erzählen, das trotz allem den Hauptteil ausmacht, hinausschießen.
Im Anhang kommt Napule als außerordentlich politischer Roman zu sich selbst, im Hauptteil zeigt sich, was die Helden tun können vom Rand der Gesellschaft her, an den sie mehr oder weniger absichtlich geraten sind: wenig bis nichts, nur reden und schimpfen, sagen, was ist.
Und das macht sie zwar nicht zu Sprachrohren, aber doch zu so etwas wie Geistesverwandten ihres Autors, der den italienischen Verhältnissen heimleuchtet mit den Mitteln, die er hat: Präziser Recherche, Sprachgewalt und Charakteren, von denen man mehr lesen möchte.« (Ekkehard Knörer / Perlentaucher.de)

»Lanthaler entwirft ein Sittengemälde Italiens im Allgemeinen und Neapels im Besonderen.«  (Gerrit Bartels / die tageszeitung, Berlin)

»Nichts gegen Wallander oder Brunetti. Aber im Vergleich zu Kurt Lanthalers Serienheld Tschonnie Tschenett wirken die beiden wie furztrockene Beamtenseelen. Tschenett ist ein derber Gesell, doch Lanthaler zeichnet ihn subtil, mit Stil und Humor. In Napule gehts um Krawalle, faulen TV-Zauber und einen merkwürdigen Palazzo, aber in erster Linie um Neapel. Der beste, kraftvollste Krimi der Saison.« (Allegra, Hamburg)

»Napule besticht durch Lanthalers unnachahmlichen Sprachstil, die gekonnten Perspektivenwechsel, die genaue Kenntnis Italiens und vor allem durch das umfangreiche Glossar (über 40 Seiten!) am Ende des Buches, das nicht einfach ein Wörterverzeichnis ist und mit gescheiten Erklärungen aufwartet, sondern die Geschichte(n) fortschreibt, kunstvoll, liebevoll aufgeschmückt, einen Blick hinter die Kulissen zulässt.« (Peter Landerl, www.literaturhaus.at)

»Napule ist weit davon entfernt ein bloßer Krimi zu sein, es handelt sich vielmehr um eine ethnologische Erkundung, durchgeführt von einem Vagabunden, der schon alles erlebt hat.« (Ingeborg Sperl / Der Standard, Wien)

       



 

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Napule
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